Hannes Sonntag
Es war einer dieser Abende, an denen man schon beim Betreten des Saals spürte, dass etwas Besonderes in der Luft lag. Die Stille hatte einen warmen Kern, eine gespannte Ruhe, wie sie nur entsteht, wenn sich viele Menschen auf ein gemeinsames Erlebnis einstimmen. Über hundert Gäste suchten sich ihren Platz, schoben Winterjacken zurecht, flüsterten ein paar letzte Sätze – und doch war da dieses Gefühl, dass jeder wusste: Heute wird es nah, persönlich und unverwechselbar.
Hannes Sonntag – ein langjähriger Freund unseres Hauses
Für uns im Haus der Klaviere Gottschling war es ein Abend, auf den wir uns schon lange gefreut hatten. Hannes Sonntag ist nicht nur Pianist und Autor. Er ist ein Weggefährte. Ein Freund unseres Hauses seit Jahrzehnten. Einer, der nicht einfach auftritt, sondern Räume wandelt. Einer, der sich hinstellt, die Hände über die Tasten faltet – und plötzlich wird der Saal zu einem Ort, in dem Zeit ein anderes Gewicht bekommt.
Lesung aus „Ich Alter in Nippon“ – Literatur mit Tiefe
Seine Novelle „Ich Alter in Nippon“ trägt diese leise, klare Wärme in sich, die so typisch für ihn ist: präzise, aber nie hart. Beobachtend, aber nie distanziert. Als er zu lesen begann, setzte sich diese Stimmung sofort frei. Seine Stimme schuf Bilder von japanischen Straßen im frühen Abendlicht, von stillen Momenten, in denen sich Gedanken wie feine Nebelschleier bewegen. Doch es blieb nicht bei der Literatur. Genau das machte diesen Abend so besonders.
Zwischen den Textpassagen legte er die Hände auf die Tasten – und etwas verschob sich. Die Sprache blieb im Raum stehen, und die Musik nahm ihre Fäden auf. Chopin, Ravel, Mompou, Poulenc: vier Komponisten, vier Welten, die an diesem Abend eine gemeinsame Atembewegung fanden. Die Nocturnes schimmerten wie ein Rücklicht auf den Worten der Lesung. Ravel brachte die klaren Linien, die man fast körperlich spüren konnte. Mompous Música callada füllte den Raum mit jener Art von Stille, die man nicht hört, sondern wahrnimmt. Und Poulenc setzte helle, bewegte Akzente – ein feiner Kontrast zu den langen, ruhigen Momenten.
Wir saßen hinten im Raum und beobachteten, wie die Besucher diesen Wechsel zwischen Wort und Klang aufnahmen. Manche lehnten sich nach vorne, als wollten sie keinen Atemzug verpassen. Andere schlossen für ein paar Sekunden die Augen. Viele hatten diesen stillen Ausdruck, den man bekommt, wenn etwas glaubwürdig, echt und ungefiltert wirkt. Es war kein Abend, der laut wurde. Kein Abend, der auf große Effekte setzte. Es war ein Abend, der sich tief einwob.
Konzertabschluss 2025 mit über 100 Besucherinnen und Besuchern
Dass dieses Konzert das bestbesuchte unseres Jahres wurde, war für uns nicht nur eine Zahl. Es war ein Zeichen. Dafür, dass Menschen nach Räumen suchen, in denen Kunst nicht erklärt, sondern erlebt wird. Dafür, dass die Verbindung zwischen Literatur und Musik etwas auslösen kann, wenn sie nicht als Konzept entsteht, sondern aus einer inneren Notwendigkeit heraus. Genau das war bei Hannes zu spüren: Er spielte nicht, um zu beeindrucken. Er las nicht, um zu belehren. Er ließ beides miteinander sprechen.
Es gehört zu den schönsten Momenten unserer Arbeit, wenn solche Abende entstehen. Wenn Künstlerinnen und Künstler nicht nur auftreten, sondern sich zeigen. Wenn ein Saal voller Menschen für zwei Stunden zu einer einzigen Zuhörgemeinschaft wird. Und wenn man am Ende spürt, dass alle – Besucher, Team, Gastgeber, Künstler – ein Stück verändert nach Hause gehen.
Die Bedeutung des Abends für das Team Gottschling
Als die letzten Töne verklangen, blieb der Applaus lange und warm. Nicht stürmisch. Nicht überbordend. Sondern ehrlich. Ein Dank an einen Künstler, der seine Welt mit uns geteilt hatte. Und an einen Freund, dessen Präsenz unser Haus seit so vielen Jahren begleitet.
Wir räumten später gemeinsam den Saal, schoben Stühle zurück, löschten die letzten Lampen. Und in dieser ganz späten Stille war noch immer etwas von diesem Abend spürbar – ein Nachhall, wie man ihn nur selten erlebt. Vielleicht war es das, was diesen Konzertabend zu einem so besonderen Abschluss unserer Saison 2025 machte: dass er uns daran erinnerte, warum wir tun, was wir tun.
Musik ist dann am stärksten, wenn sie Menschen verbindet. Literatur ist dann am stärksten, wenn sie uns verlangsamt. Und Hannes Sonntag hat beides miteinander verwoben – leicht, fein, und doch mit einer Tiefe, die bleibt.
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